Ortsteilwanderung nach Gauingen am 29.4.2018

Am Sonntag, 29. April führte die OG Zwiefalten unter Leitung von G. Treß und H. Schmid die schon zur Tradition gewordene Ortsteilwanderung bei herrlichem Wanderwetter durch. Über 40 Teilnehmer trafen sich am Rentalparkplatz und wanderten über Gossenzugen nach Gauingen hinauf, immer wieder unterbrochen durch einen kurzen Halt mit Informationen von Franz Schmid. Dort wurde die Gruppe nach gut 1 ½ Stunden Wanderzeit von fleißigen Helfern des Tennisclubs bereits erwartet und mit köstlichen Kässpätzle sowie Kaffee und Kuchen bewirtet. Für diese tolle Unterstützung bedankten sich die Wanderführer bei den Verantwortlichen des Tennisclubs ganz herzlich.
Anschließend führte zunächst Herr Hamann durch den Gauinger Steinbruch, danach ging es mit Franz Schmid, der als Kenner der Ortsgeschichte bekannt ist, durch Gauingen. Die beiden Herren beeindruckten durch ihre kenntnisreichen und vielfältigen Informationen, die für einen Großteil der Wanderer neu waren.
Auch bei ihnen und Herrn Thumm, der in den Regionalzeitungen ausführlich über die Ortsteilwanderung berichtete,  bedankten sich die Wanderführer.
Voll des Lobes war auch Bürgermeister Henne, der sich zum Abschluss eine Fortsetzung dieser  informativen Ortsteilwanderungen wünschte.Nach einer gelungenen Wanderung kehrte man zum Schluss beim Wirt zum grünen Baum ein.  G.Treß

 

Die Ortsteilwanderungen des Zwiefalter Albvereins erfreuen sich immer einer großen Beliebtheit. Die Teilnehmer erfahren Details über Besonderheiten in den besuchten Orten von versierten Wander- und Ortsführern. Dadurch erkennen sie Details, von denen sie bisher nicht wussten. Georg Tress, Hermann Schmid, Jürgen Hammann und Franz Schmid führten durch die Ortschaft Gauingen.

Vom Tal in Zwiefalten ging es über Gossenzugen hinauf auf die Schwäbische Alb. Zeitweise ging der Blick zurück auf das ehrwürdige Zwiefalter Münster. Von den Talauen mit einer Meereshöhe von rund 550 Meter über Null führte der Weg in gleichmäßiger Steigung hinauf bis auf über 700 Meter. Jürgen Hammann informierte im Gauinger Travertinsteinbruch über die Geschichte und Besonderheiten des Steinbruchs. Vor etwa 15 bis 9 Millionen Jahren ist das geologisch junge Gestein entstanden. Aus damals ungefähr 200 Metern über Null wurde mit der Schwäbischen Alb auch mancher See und eine ganze Seenplatte angehoben über die heutige Höhe hinaus. Das Gestein wurde stark verdichtet. Der Begriff „Gauinger Travertin“ sei eigentlich irreführend, schließlich handele es sich um Sedimentgestein.

Der Stein wird gesägt, geschliffen oder poliert verarbeitet, enthält manche Gips- und Toneinlagerung und ist nur bedingt frostbeständig. Dies wurde schon frühzeitig erkannt, aber der eine oder andere Stararchitekt setzte auf das schön anzusehende Material. Um 1850 wurde der Steinbruch aus königlichen Besitz verkauft an die Firma Traub, später wurde der Steinbruchbetrieb Burrer daraus und zuletzt ist die Firma Lauster Besitzer. In den Höhepunkten des Steinbruchabbaus von 1920 bis 1942 waren etwa 120 bis 150 Arbeiter im Steinbruch beschäftigt.

Eine imposante und mächtige Werkhalle wurde als damals größte freitragende Halle erbaut und enthielt Arbeits- und Lagerräume, eine Steinmetz- und Künstlerwerkstatt, Sanitätsraum, Fremdenzimmer und ein Casino. Die Besucher waren tief beeindruckt von den Ausmaßen der Halle und ihrer Funktionalität. Ein riesiger Verladekran für Steine mit über 15 bis 20 Tonnen Gewicht ist noch heute funktionsfähig. Eine gewaltige Steinsäge erinnert an arbeitsame Zeiten.

Geschichte von Gauingen

Franz Schmid aus Gauingen ist ein profunder Kenner der Geschichte des Ortes. Außerdem erfasst er viele Kleinkunstdenkmale und wusste jede Menge Details zu erzählen. Der Ort Gauingen wurde erstmals 904 urkundlich erwähnt. Obwohl nahe an Zwiefalten gelegen, gehörte er nicht von Anfang an zum Kloster Zwiefalten.

Ab dem Mittelalter ist das Vorkommen von 14 Höfen im Besitz des Klosters verzeichnet, alle gleich groß, alle gleich fruchtbar. Jeder Hof wurde nach einem Heiligen benannt. Bekannt sind Heiliger Alexander, Blasius, Leopold bis zum Wilhelm. 1650 bis 1680 wurde ein Verwaltungsgebäude für Lehensgüter – Haus Nummer 17 – erbaut, von dort wurden der „Zehnte und tausend andere Abgaben“ eingezogen. Lehenshöfe hatten eine Größe von 16 bis 30 Hektar und wurden hauptberuflich bewirtschaftet.

Ein wahres Kleinod ist die Wendelinuskapelle, erbaut 1688. In dieser Zeit wurden in den umliegenden Orten mehrere Kapellen erbaut. Weil kein Geld zur Weihe durch den Bischof vorhanden war, wurden so lange gewartet bis alle Kapellen fertig waren und dann in einer Rundreise alle Kapellen geweiht und die Kosten aufgeteilt. Eine Reihe von Geschichten ist um den Kapellenbau bekannt. Aber auch die Sanierungen waren teilweise spektakulär: Bevor die letzte Sanierung erfolgte, wurde erst ein Antrag auf Rückbau des maroden Turmes gestellt und dann erst finanzielle Mittel für die Sanierung freigegeben. Inbrünstig sangen die Wanderer „Segne du Maria …“ in der Wendelinuskapelle.

1922 wurden riesige Streitigkeiten um das Gemeindebackhaus ausgefochten zwischen Unter-, Mittel- und Oberdorf und der Gemeinde. Weil der Gemeinde die „Untere Gerichtsbarkeit“ zugesprochen worden war, wurde unzählige Urteile gesprochen und die Arrestzelle im Rathaus war rege besucht. Über Brunnen- und Wasserrechte, dörfliche Streitigkeiten, wechselnde Viehbestände und viele Urteile konnte Franz Schmid berichten.

Auf dem Dorfplatz am Wendelinusbrunnen sprach Bürgermeister Matthias Henne, der die ganze Strecke mitgewandert war, herzlichen Dank an den Schwäbischen Albverein, die Wander- und Ortsführer aus. Eindringlich bat er darum, die Tradition der Ortsteilwanderungen im örtlichen Interesse weiterzuführen. Nach dem Besuch der Kunstschule wurde im Gasthaus Grüner Baum Einkehr gehalten.     H.Thumm

 

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